Sarrazin soll also wieder zugeschlagen haben: “The Return of the Sarrassist”. Die ominöse Netzgemeinde ist in Aufruhr und klagt an. Warum? Ein an Inhaltsleere kaum zu übertreffender Artikel auf SpOn legt die Vermutung nahe, Thilo Sarrazin erkläre die Dummheit der Deutschen durch den Zuzug von Migranten. Dabei ist dieser Artikel weder an QuellenUngenauigkeit kaum zu überbieten, noch gibt sich der verantwortliche Autor auch nur annähernd die Mühe, auf den eigentlichen Kontext hinzuweisen. Sarrazin-Bashing als Klick-Garant bei SpOn. Da greift der latente Anti-Rassismus- Reflex der Netzgemeinde und frisst, was SpOn vor die Füße wirft.
Worum geht es eigentlich? Der Unternehmerverband Südhessen hat eine Veranstaltung zum Themenkomplex ”Bildung, Demographie und gesellschaftliche Trends” organisiert. Dort fordert in erster Linie der Geschäftsführer des Arbeitskreises SCHULEWIRTSCHAFT, dass vom
Ziel, bis 2015 die Ausgaben für Bildung und Forschung von aktuell 8,6 auf 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben und dies mit einer größeren Bildungsqualität zu verbinden,
nicht abgerückt werden dürfe. Weiterhin wurde auch Thilo Sarrazin eingeladen, um der Veranstaltung einen (vielleicht auch zweifelhaft) prominenten Redner zu gönnen und den direkten Draht nach Berlin zu symbolisieren. Dass Herr Sarrazin in der Vergangenheit problematische Äußerungen getätigt hat, muss an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Warum ihn der Verband eingeladen hat, bedarf einer Bewertung an sich. Dass SpOn aus einer Meldung der DPA allerdings ableitet, dass Herr Sarrazin erneut vermeintlich rassistisch aufgefallen ist, funktioniert nur durch die fehlende Bereitschaft sich intensiver mit Inhalten auseinanderzusetzen. Insbesondere Twitterer schnattern hier alles ungeprüft weiter und schlagen damit hohe Wellen. Wenn dann auch noch Blogger-Veteranen dazu aufrufen, lieber Googles SideWiki zu installieren, um Proteste in Web 2.0 Manier zu organisieren, um damit im Umkehrschluss Google einzuladen, uns alle noch mehr auszuloten, dann stelle ich mir wirklich die Frage, ob wir nicht alle langsam zu blöd sind.
Wenn Herr Sarrazin feststellt, dass wir auf “natürlichem Wege immer dümmer werden”, dann wiederholt er nur ein altbekanntes, elitäres Mantra der FDP, nämlich dass in Deutschland die “Falschen” Kinder kriegen würden. Ob und inwieweit Sarrazin tatsächlich derlei Zusammenhänge dargestellt hat, überlässt SpOn fahrlässig den Träumen und Reflexen der Leser. Wenn diese dann allerdings auf einen solch niveaulosen Zug aufspringen, bleibt mir auch die Spucke weg.
Die eigentliche Meldung, die in Zusammenhang mit der Veranstaltung stehen müsste, ist eine ganz andere: Bildungsgipfel ohne Ergebnisse: Bund verweigert Ländern mehr Geld. Aber über Chancengleichheit, höhere Ausgaben für Bildung und Forschung zu twittern, ist halt nicht so einfach, wie gegen Sarrazin zu stänkern. Leute, macht es euch nicht zu einfach!!






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Sehr schöner Artikel über die größte und gefährlichste Volksverdummungsmaschine in Deutschland. SPON lesen nämlich vor allem die vermeintlich gebildeten und ich würde mal schätzen, dass die politische und sonstige Meinung von 90% der höher gebildeten Büroarbeiter in Deutschland auf SPON-Lektüre beruht…
Dagegen ist die Bildzeitung harmlos.