Bushido: When keeping it real goes wrong

24/03/2010

Zeiten ändern Dich – so lautet der aktuelle Film, indem Eichinger und Edel versuchen, mit der Figur Bushido auch endlich selbst Kohle zu scheffeln. Das Bushido dabei jedenfalls einen besseren Schnitt als eine gute Figur macht, versteht sich von selbst. Nun wird Bushido von den alten Zeiten, die er in seinem Film so eindrücklich halbherzig darstellt, eingeholt: Bushido muss Schadensersatz zahlen, weil er in insgesamt 13 Liedern Songfragmente der Gothic-Band Dark Sanctuary ohne Erlaubnis für eigene Songs genutzt haben soll. Unter anderem für den Song “Wieder von der Skyline zum Bordstein zurück“:

… Ich war der Erste hier, G-Rapper auf deutsch , denn du musst auch hart sein, wenn der Beat nicht mehr läuft …

Tja, der Beat läuft wohl nicht mehr. Die CDs werden aus dem Verkauf genommen. Die Kohle, die Bushido dadurch flöten geht, wird ihm wohl egal sein. Mittlerweile geht es ihm doch eher um sein Image, seine Ausstrahlung, seine Wandlung vom bad- ass- Rapper zum smarten Kreativen, der sich sogar vorstellen kann, irgendwann einmal Bürgermeister zu werden… Wer weiss, Bushido scheint wandelbar und alles andere als authentisch – das wird im Film deutlich, wenn er sich Biographie- Fragmente anderer Berliner Rapper zu Eigen macht und das wird in der Musik deutlich, wenn er ohne Genehmigung Loops bastelt, die andere Musiker originär kreiiert hatten.

Dabei ist das Sampling eigentlich ein elementarer Bestandteil von HipHop. Durch Sampling können eigene Tracks entstehen, Tracks miteinander kombiniert werden oder lediglich die Instrumentalphasen bis ins Unendliche verlängert werden, um so dem Rapper einen geeigneten Teppich zu legen, auf dem er sich rap- technisch austoben kann. Die Idee ist so alt wie HipHop selbst. Aber wer damit so viel Kohle verdient, sollte rechtlich besser beraten sein. Und vor allem selbst originär handeln, sonst verliert sich das Konstrukt in zu vielen Samples.

Tipp: (M)eine Dokumentation zu Rap und Authentizität in Deutschland

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holger March 24, 2010 at 2010-03-24T15:47:18+00:000000001831201003

Schönes Ding!

Bushido ist eine Blamage für dt Rap und Hip Hop in Deutschland. Hoffen kapoeren jetzt auch die Kiddies, dass er nur ein billiges Image verkauft. Sellout!

Lars March 24, 2010 at 2010-03-24T20:15:13+00:000000001331201003

Finds nur gerecht. Seine Plattenfirma verklagt ja auch Leute die seine Tracks laden. That´s life…

Andrik March 27, 2010 at 2010-03-27T00:45:22+00:000000002231201003

Ein fader Beigeschmack.

Wenn jemand seinen Mund weit aufreißt, erntet er in der Regel Spott und Skepsis. Wenn jemand seinen Mund weit aufreißt, dann aber auch noch Erfolg damit hat, wandeln sich Spott und Skepsis naturgemäß in Neid und Antipathie.

Dennoch bin ich etwas überrascht über die Einseitigkeit dieser Debatte. Dass HipHop-ferne Magazine wie Spiegel, Fokus & Co. nur zu gerne am Böse-Buben-Klischee des HipHop kleben ist man ja schon gewohnt. Dass nun aber auch kulturinterne Medien eine differenzierte Sichtweise vermissen lassen, überrascht dann doch ein wenig.
Denn von diesen darf meines Erachtens schon erwartet werden, dass sie sich der Basics der musikalischen HipHop-Historie bewusst sind. Dazu gehört das vielzitierte “Samplen” nicht nur – es bildet quasi die Essenz! Du hast es in deinem Beitrag ja richtigerweise als ‘elementaren Bestandteil’ bezeichnet. Seit seiner Entstehung basiert der musikal-instrumentale Teil (also „Beat” ohne „Rap“) darauf, Stücke aus irgendwelchen Songs zu benutzen, zu verhackstücken, ggf. ein wenig zu verfremden und mit Elementen anderer Songs zu vermischen um auf diese Art und Weise ein neues ganzheitliches Musikgebilde zu erzeugen. Ask Herc & Bambaata.

Das bedeutet, es ist eine Kerneigenschaft von HipHop, sich anderer Musikstile & -stücke zu bedienen. Und bisher stand das auch nie irgendwie zur Debatte. Es war klar, dass HipHop Produzenten ihre „Stücke“ anders komponieren, als Produzenten anderer Musikgenres. Eben nicht live, mit Schlagzeug, Gitarre und Bass einspielen – sondern Passagen aus anderen Liedern herausnehmen und mehr oder weniger transformieren.

Woran ich mich störe, ist das Gefühl, dass in der Debatte auf einmal mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn gegen Bushido werden zwei unterschiedliche Beschuldigungen hervorgebracht, die man voneinander trennen sollte: Erste ist, sich nicht das Einverständnis derjenigen geholt zu haben, von denen er sampelt und die Zweite, sich überhaupt bei anderen Künstlern bedient zu haben, anstatt seine Beats selbst zu „komponieren“, also sprich: zu sampeln. Der erste Vorwurf ist unstrittig berechtigt. Beim zweiten aber liegt der Haken. Dass Massenmedien sich mit solchen Unterschieden nicht auseinandersetzen liegt in der Medienlogik begründet, denn durch Vermischung und willkürliches zusammenwerfen von verschiedensten Argumenten erzeugt man eine höheres Dramatikpotential und damit ein höheres Interesse = Nachfrage.

Dass aber nahezu alle relevanten (unter Vorbehalt. Natürlich nur von denjenigen, die mir auch bekannt sind.) HipHop-Portale die Vorwürfe unreflektiert übernehmen, löst bei mir doch vehementes Stirnrunzeln aus. Ist es nicht schließlich so, dass es unter den sog. HipHop-Heads einen nicht unerheblichen Teil gibt, denen das Sampleraten, -erkennen, und –suchen große Freude bereitet? Ist es nicht schließlich so, dass vor noch nicht allzu vielen Jahren ein gewisser Kanye West z.B. über den grünen Klee dafür gelobt wurde, was für Samples er diggt?

Ich fordere nun nicht, Bushido in den Produzentenhimmel zu heben. Aber mindestens darauf zu achten, dass man den einen nicht für etwas tadelt, wofür man einen anderen lobt, darf ja wohl noch erwartet werden.

An dieser Stelle hätte ich mir von den HipHop-Mediatoren gewünscht, Stellung zu beziehen gegen den im Raum schwelenden Vorwurf, HipHop sei per se eine kriminelle Musikart solange sie Samples anderer Songs benutzt. Stattdessen aber habe ich den Eindruck, die Vorwürfe würden gerne in der bestehenden Form weitergeleitet, weil man so diesem großmäuligen Bushido endlich eins auswischen kann. ‚All die Jahre hat er uns entweder missachtet oder mit Verachtung gestraft – jetzt bekommt er mal die Rechnung dafür!‘

Leider entsteht hierbei die Gefahr, sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Denn ob WIR uns mit Bushido identifizieren oder nicht, ist egal, solange die großen Medien IHN mit UNS gleichsetzen. Wenn sich die Sichtweise „wer sampelt – der klaut“ durchsetzt, fällt das nicht nur negativ auf Bushido zurück, sondern im Zweifelsfall auch auf uns alle und unsere „Kultur“.

Und DAS können wir nun wahrlich nicht brauchen. Nicht jetzt. Nicht, nachdem wir nach all den Jahren endlich auf dem Weg sind, uns aus der pubertär-Halbstarken-Ecke zu emanzipieren. Nicht, nachdem wir – letztendlich auch uns selbst – mit Künstlern wie Dilemma, Huss & Hodn, Kamp & Whizz Vienna, Audio 88, Tufu, Pi, Maeckes (und noch einigen anderen) aufgezeigt bekommen haben, dass HipHop auf deutsch sehr wohl Intellekt, Tiefgang und Ernsthaftigkeit mit sprachlicher Finesse verknüpfen kann.
Endlich ist ‚guter‘ HipHop nicht mehr sowas wie der adoptierte Stiefbruder namens Fanta4 oder Fettes Brot, von dem man einerseits weiß, dass er zu einem gehört, aber andererseits zu angeekelt ist, um liebevoll den Arm um ihn zu legen.

Lassen wir uns von den Ignoranten nicht wieder in die Schmuddelecke zurückdrängen! Wenn unsere eigenen Plattformen keine Aufklärung betreiben, wird es niemand anderes für uns tun. Es gibt einiges zu tun, let’s get it on…

One Love, Andrik.

martone March 27, 2010 at 2010-03-27T13:21:32+00:000000003231201003

@Andrik:
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich kann aus guter alter HipHop- Tradition deine Argumente nachvollziehen – aber eine Urheberrechts- Verletzung bleibt eine Urheberrechts- Verletzung! Und gerade, wenn es um verdammt viel Kohle geht, die jemand an seiner Musik verdient, sollte er auch in der Lage sein, alle Beteiligten entsprechend zu bedenken.

Mellowvibes Music Publishing March 28, 2010 at 2010-03-28T03:32:56+00:000000005631201003

Wow dein Kommentar ist sehr lang aber um es auf den Punkt zu bringen bedarf es nur zwei kurze Sätze:
1. Ist man mit einem guten Verleger als Berater Zur Seite gut beraten so bald man mit Musik Kommerziellen Erfolg feiern will.
2. Sollten auch klar sein das die Clearings im Vorfeld eingeholt werden weil das alle Hip Hop Grössen machen damit sie gerade nicht im Nachhinein noch drauf zahlen müssen.

Es ist absurt sich dann im Nachhinein hin zu stellen und zu sagen das ist Hip hop! Weil es ja gar nicht darum geht sondern um die Tatsache des Verstoss gegen das Urheberrechts und das wird bekanntlicher Weise gerne bei großen Summen verteidigt. Also einfach nur Dumm es nicht zu clearen. Hier geht es um Business das hat mit persönlicher Meinung auch nichts zu tun!

Andrik March 28, 2010 at 2010-03-28T22:25:45+00:000000004531201003

Ein kleiner Nachtrag.
Ich fürchte in der Ausfühlichkeit ist das untergegangen, was ich mit “Vorwurf eins” und “unstrittig berechtigt” nur kurz angedeutet habe: Die juristischen Konsequenzen, die Bushido nun zu tragen hat, trägt er absolut berechtigt. Ein Künstler in seiner Position (d.h. jemand der mit seiner Musik seinen – nicht gerade asketischen – Lebensunterhalt bestreitet, im Gegensatz zu jemandem, der Musik nur als Hobby betreibt) MUSS gewerblich einwandfrei handeln. Er MUSS diejenigen, bei denen er sich ggf. bedient, finanziell für ihre passiven Dienste entschädigen. Das hat er nicht und wird deshalb nun zur Rechenschaft gezogen. Wie gesagt, absolut berechtigt.
Mein Punkt ist nochmal, dass aus: “Bushido benutzt Samples ohne die Eigentümer dafür zu entschädigen”, zu oft und schnell wird: “Bushido benutzt Samples. Er macht keine eigene Musik, sondern klaut diese bei anderen Bands”.
Für alle anderen mag dieser Unterschied nichtig sein, für UNS (alle, die sich positiv mit HipHop verbunden fühlen) sollte er das nicht.

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