Das Bashing geht also in die nächste Runde. Seit Jahr und Tag werden die Öffentlich- Rechtlichen dafür kritisiert, sich zu weit von den Lebensrealitäten jüngerer Menschen zu entfernen: das Programm- Schema wird belächelt, die Moderatoren werden als zu bemüht wahrgenommen, die Themenwahl als weltfremd abgetan. Jetzt zollt das ZDF dem Zeitgeist Tribut und – ebenfalls hagelt es Kritik.
Matthias Schwenk gibt nun bei carta.info den Kritikern neues Futter. Trockenfutter, um genau zu sein. Um den Trend des social networking nicht zu verpassen, betreibt das ZDF auf Facebook verschiedene Fan- Pages, mit (bescheidenem) Erfolg: 22.000 heute.de – Fans haben einmal kurz Ja gesagt und tauchen jetzt, im besten Falle aus Sicht des ZDF, in schöner Regelmäßigkeit im Nachrichtenstrom auf. Dadurch habe heute.de, so schreibt Matthias Schwenk,
eine ganz erhebliche Reichweite, verglichen mit anderen deutschen Medienmarken auf Facebook.
Das ist wohl wahr. Wahr ist aber auch, dass das ZDF andere Fan- Pages betreibt, die bis dato auf eine verschwindend geringe Reichweite kommen: Frontal21 hat knapp 1300 Fans, ebenso folgen WISO lediglich 1300 Fans, das heute-journal begeistert sogar nur knapp 1200 Anhänger. Wenn Facebook aber rund 5,75 Millionen Mitglieder in Deutschland hat, dann sind davon nicht einmal 1 Prozent in irgendeiner Form Anhänger vom ZDF.
Da mutet die These,
ob der gebührenfinanzierte Rundfunk hier nicht systematisch im Vorteil gegenüber privaten Medien ist
etwas kurzatmig an. Aber selbst wenn das ZDF versucht, über moderne Kanäle neue Zuschauer zu finden, dann ist das nur richtig. Im Hinblick auf das veränderte Konsumverhalten der jüngeren Generation wird das ZDF seinem Auftrag zu unterhalten, zu informieren und so einen Beitrag zum Meinungsbildungsprozess beizutragen, nur gerecht – zurecht.
Es ist auch kein Geheimnis, dass das ZDF sich im Web weiter engagieren möchte. So ist es das erklärte Ziel des ZDF, sich im Internet stark zu positionieren und die Vermengung von Fernsehen und Internet weiter zu forcieren. Dies kann hier nachgelesen werden. Wenn die Kritik sich nun darauf beschränkt, das ZDF nutze Facebook als weiteres Medium, um so kostenlose Dienste anzubieten, die sich die Spiegel Onlines und Bilds spärlich aus den Rippen schneiden müssten, dann kann ich nur auf den von Stefan Niggemeier wohl formulierten Text verweisen und möchte mich der Frage anschließen, wann dieser Tinitus wieder aufhört. Im Übrigen kümmern sich bei Frontal21 gefühlte zweieinhalb Menschen um den gesamten Online- Auftritt, inklusive Facebook.
Wenn nun bereits durchgesetzt wurde, dass ARD und ZDF überprüfen müssen, inwieweit der Content ihrer Online- Auftritte zur publizisitischen Vielfalt beiträgt und ob sie einen angemessenen Spielraum für Wettbewerb zulassen, dann kann ihnen nicht auch noch abgesprochen werden, sich als junge, moderne und aufgeschlossene Medienunternehmen zu präsentieren und die Menschen dort abzuholen wo sie sind – im Internet.
Eine gelungene Einbindung von Fan- Pages, um eine Marke oder irgendeine Art von Content zu bewerben, hängt nicht davon ab, wie groß der Etat ist oder ob dadurch Klicks auf der eigenen Internetseite fehlen: Wenn Guten Abend RTL nur auf knapp 100 Fans kommt, dann liegt das nicht an der fehlenden redaktionellen Betreuung, sondern daran, dass es keine Fans gibt. Wenn der Blog carta.info nur auf rund 160 Fans kommt, dann kann ich mir das beim besten Willen leider auch nicht erklären. Selbst mein Abschlussfilm der Universität Göttingen kommt bereits auf stolze 214 Fans – und ich zähle wirklich jeden.
Link- Tipp: LeanderWattig: Medienmarken bei Facebook – Ein Wiki- Eintrag
Ach ja: Manchmal kriege ich vom ZDF dafür Geld, dass ich dort arbeite.






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Das ist alles nicht das eigentliche Problem. Ich habe nur keine Lust, von dem Geld, das ich in fünf Jahren vielleicht noch verdiene, 12 % Lohnsteuer, 12 % Krankenkasse aber 30 % Gebühr für irgendein öffentlich-rechtliches Journalismussystem zu zahlen, die man in Kürze auf 40 % erhöht, weil es ja sowieso das einzige ist, was noch übrig auf dem Markt. Wo ist die Kostenbremse, die heute, morgen und auch übermorgen noch funktioniert bei ARD und ZDF? Das erkläre mir mal einer.
Man kann nur vor Gericht gehen und zu Gott beten, das Brüssel diesem Irrsinn endlich ein Ende macht.
Derweil fehlt das Geld an anderer Stelle für technische Entwicklungen, die Inhalte transportieren, OHNE SIE ZU BEEINFLUSSEN und Internet für jedermann und überall zu günstigen Preisen. Das ist Demokratie und nicht Musikantenstadl, Telenovelas, Gottschalk und Sportübertragungsrechte, die neben den Gehältern und Renten der ÖR-Leute das meiste Gebührengeld fressen. Würden ARD und ZDF dank ihren Internetaktivitäten billiger statt teurer, hätte ich überhaupt nichts dagegen. Aber leider ist das Gegenteil der Fall.
Interessante Replik auf meinen Artikel auf Carta. Ihrer Schlussfolgerung kann ich aber nicht zustimmen, denn der Erfolg einer Fanseite hängt sehr wohl vom Etat bzw. vom Zeiteinsatz ab.
Bei Carta haben wir schlicht keine Zeit, um uns so intensiv mit der Facebook-Fanseite zu befassen, so dass dort ein echter Mehrwert entstünde und wir dadurch eine signifikante Anzahl von Fans gewinnen könnten.
Das ZDF dagegen hat sich zumindest bei seiner ZDFheute-Fanseite dazu entschlossen, eine redaktionelle Betreuung zu leisten. Anders wäre es, wenn jemand diese Arbeit ehrenamtlich leisten würde. Das aber ist hier sicher nicht der Fall…
Den Hinweis auf den Etat kann ich nachvollziehen. Dennoch teile ich nicht die Auffassung, dass die für die Öffentlich- Rechtlichen aufzubringende Gebühr nun auf Aktivitäten bei Facebook abgeklopft werden sollte. Da gibt es sicherlich ganz andere Kritikpunkte, denen sich ARD und ZDF stellen müssen…
ich frage mich wie wohl heute.de und tagesschau.de
hier abschneiden und vorallem wie sie sich entwickeln
http://www.eisy.eu/nachrichtenportale-wachsen-unermuedlich-00220/
… dann könnte man wohl auch erklären, ob den online-angeboten der privaten printmedien tatsächlich wirtschaftlicher schaden durch die online-offensive der öffentlich-rechtlichen zugefügt wird.
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